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Tolle Angebote nur für Reiche?: Ich verzweifle bei der Suche nach Ferienkursen für mein Kind
800 Euro pro Woche? Unsere Autorin verzweifelt jedes Jahr daran, bezahlbare Ferienkurse zu finden. Derweil wird kostenlosen Kursen mal wieder die Förderung entzogen. Was läuft da falsch?
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In drei Wochen beginnen die Sommerferien. Sechs Wochen schulfrei – von denen sich viele Mütter und Väter nur zwei oder drei Wochen freinehmen können. Schließlich haben Arbeitnehmer meist nur 30 Urlaubstage pro Jahr, Berliner Schulkinder aber insgesamt 75 Ferientage.
Auch ich muss meine beiden Kinder, neun und sechs Jahre alt, wieder vier Wochen lang anderweitig unterbringen. Nur wo? Eine Möglichkeit ist der Schulhort. Doch erstens kostet die Betreuung dort ab der vierten Klasse viel Geld. Und zweitens geht zumindest mein Sohn nicht gern in den Hort: Wie in vielen Betreuungseinrichtungen herrscht dort chronischer Personalmangel, es gibt kaum Ausflüge oder Aktivitäten.
Der frühe Vogel kriegt den Kurs
Den ganzen Tag alleine zu Hause herumhängen soll mein Neunjähriger natürlich auch nicht. Von meiner Sechsjährigen, die Mitte September in die erste Klasse kommt, gar nicht zu reden: Sie kennt den Hort noch gar nicht.
Bleiben nur Ferienkurse. Als vorbildliches Elternteil habe ich auch in diesem Jahr schon vor Wochen mit der Suche nach Workshops und Feriencamps begonnen. Der frühe Vogel und so weiter.
Leider treibt mich auch diesmal diese Suche – wie jedes Jahr – in den Wahnsinn. Zwar gibt es ein paar kommerzielle Internetseiten, die Berliner Kurse listen und sich nach Bezirk und Alter des Kindes sortieren lassen. Doch findet man dort ausschließlich sehr hochpreisige Angebote, von denen die meisten nicht mal tagesfüllend sind. Ein 300 Euro teurer Workshop, der an vier Tagen von 10 bis 12 Uhr stattfindet? Danke, nein.
800 Euro pro Woche
Schon besser ist der Sommerferienkalender der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie. Hier kosten einige Kurse nur 50 bis 80 Euro für fünf Tage. Allerdings sind diese meist blitzschnell ausgebucht. Übrig bleiben Tagesworkshops oder Ferienreisen für mehrere Hundert Euro.
Nicht dass ich nicht mit solchen Reisen liebäugele. Auf der Homepage eines Veranstalters habe ich Angebote gefunden, die traumhaft klingen: Das siebentägige Schachcamp etwa wäre genau das Richtige für meinen neunjährigen Schach-Fan. Leider kostet es 550 Euro.
Auch die „Kinderreise mit Empowerment-Coaching“ am Schlachtensee würden wohl viele Elternteile gern buchen: Sie richtet sich an Kinder, die in der Schule geärgert werden oder unter Schulstress leiden. In kleinen Gruppen lernen sie eine Woche lang, mit Angst, Trauer oder Wut umzugehen und Selbstbehauptung zu üben, daneben gibt es Sport, Basteln und Traumreisen. Kostenpunkt: 880 Euro.
Empowerment-Kurs am Schlachtensee? Den bräuchten gerade Kinder aus ärmeren Familien!
Anna Pannen, Tagesspiegel-Autorin
Wer kann sich das leisten? Die Kosten für den Familienurlaub kommen schließlich noch obendrauf. Nur sehr gut verdienende Familien werden solche schönen Angebote buchen können. Aber brauchen nicht gerade Kinder aus ärmeren Familien Empowerment?
Dabei ist es nicht so, dass niemand an diese Kinder denkt. Es gibt viele engagierte Berliner Vereine, die genau das tun: kostenlose Kurse, Ausflüge oder Ferienreisen auch für Kinder organisieren, die weniger privilegiert sind. Nur sind deren Angebote ständig von Sparmaßnahmen bedroht, nicht erst seit den Kürzungen des Landeshaushalts im vergangenen Jahr.
Finanzierung gestrichen
Der Charlottenburger Verein „Wissen macht Spaß“ etwa bietet seit zwölf Jahren kostenlose Programmierkurse für Kinder und Jugendliche in den Ferien an. Seit 2019 war das Projekt durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert worden. Diese Woche teilte Vereinsgründer Norbert Kerkhey mit, das Ministerium habe die Finanzierung gestrichen. Man suche händeringend nach Förderern.
Mein Sohn hat bei diesem Verein mit knapp sechs Jahren das Programmieren mit Scratch gelernt. Es war laut seiner Aussage der schönste Ferienkurs, den er je besucht hat. Seitdem interessiert er sich für Programmiersprachen, was angesichts der Digitalisierung sicher nicht schadet.
Auch viele andere Vereine und Angebote sind von Kürzungen betroffen. Als Erstes fallen so stets jene Kurse weg, die nichts kosten und allen Kindern gleichermaßen offenstehen. Sollten Berlin seine Kinder nicht mehr wert sein?
Für meinen Sohn habe ich schließlich zwei Kurse gefunden, einer wird von einem Museum organisiert, der andere von der Jugendkunstschule des Bezirks. Sie in den Weiten des Internets zu finden, war nicht nur kompliziert und zeitraubend – sie kosten auch zwischen 80 und 100 Euro pro Woche. Für uns ist das gerade noch finanzierbar. Für viele andere Familien nicht.
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